Saisonziel Internationale Kids Tour Berlin der Landesjugend U15 – ein Sommermärchen

25.08.2022

Podium Teamwertung

Einschreibung erste Etappe

Start Rundstrecke im Olympiapark

Siegerehrung Etappe im Olympiapark

Mit Hauptsponsor Heuer

Alles begann im März in der Jugendherberge in Ratzeburg mit einem Jugendwochenende unter dem Motto Teambuilding. Ziele für die Straßensaison wurden gemeinsam mit Jan Oelerich formuliert. Weiter ging es mit unserem ersten großen Trainingslager in Südfrankreich im April. Auf dieser Grundlage konnten bei der Internationalen TMP Tour, der kleinen Friedensfahrt Thüringen, erste sehr gute Ergebnisse eingefahren werden. Va aber war das Team ein Team, die Jungs wuchsen zusammen. In vielen weiteren Rennen entwickelten sie Taktik und Renngespür und fuhren Erfolge ein. Natürlich wurde dafür auch regelmäßig hart trainiert.

Durch den Ausfall von Rasmus W aus Büdelsdorf ging die Tür für Simon aus Bremen, zu dem schon durch einige gemeinsame Rennen gegeneinander ein guter Kontakt entstanden war, auf. Die Chemie stimmte sofort!

Wir reisten also am frühen Morgen des 18. August gemeinsam mit dem U13 Team des Hamburger Verbands mit großer Vorfreude nach Berlin. Zwar gut vorbereitet, jedoch unsicher, ob wir uns im vorderen Platzierungsbereich würden behaupten können. 

Die Ergebnisse lesen sich wie ein Sommermärchen!

Tag 1 (MZF und Rundstrecke Tempelhofer Feld, sehr warm, sonnig, Wind)

Wir standen nun gemeinsam am Nachmittag des 18. August etwas verloren auf dem alten Tempelhofer Flugfeld, auf dem im Hintergrund eine Rockband auf einer riesigen Bühne ihre Generalprobe spielte. Der Sound passte irgendwie. Halb verloren deshalb, weil nicht ganz so viele Jugendteams anzutreffen waren, wie erhofft. Vermutet hatten wir das aber schon, da aus der alten Kids Tour Berlin 2 neue konkurrierende Veranstaltungen innerhalb einer Woche entstanden sind. Die Hintergründe sind vielfältig und die Tour de Berlin wurde vom BDR supportet und früher ausgeschrieben, was uns schließlich die Entscheidung abnahm, wo und wann wir antreten konnten. Nach letztem Abstimmen der Startreihenfolge ging unser 4-er auf die 4 Kilometer-Runde mit einmal ordentlich Rückenwind und dann wieder Gegenwind. 3 Runden waren zu fahren. In der 3. Musste im Gegenwind all-out gefahren werden. Unsere Stoppuhr blieb bei 19:38 Min stehen. Wir waren mehr als zufrieden, denn eine Zeit unter 20 Minuten kam bisher nicht über den Lautsprecher und es waren kaum noch Teams auf der Strecke…. Es wurde Bronze, wow -wir waren begeistert!

Die Gemüter und den Puls wieder runterfahren, essen, trinken und wieder einrollen, denn nach dem Rundstreckenrennen der U13 ging es auf gleichem Kurs über 7 Runden wieder los. Diesmal im großen Feld. Dieses fuhr kompakt bis 2 Runden vor Schluss, als sich 3 Fahrer etwas absetzen konnten. Mit dabei war Samuel! Kurz vor dem Hauptfeld kam er als 3. der Gruppe über die Ziellinie und … Mattis taucht aus dem Feld auf und gewinnt als 4. den Sprint des selbigen! Friedel, Trainer und Betreuer aus Bremen und ich waren das erste mal sprachlos. Gleich am ersten Abend einmal die ganze Mannschat auf dem Podium und dann noch Samuel als einzelner. Samuel und Mattis vorne im Classement, Simon und John noch top 20 von 65.

Tag 2 (EZF, Sprint Eliminator, Rundstrecke im Olympiapark, warm immer wieder Nieselregen)

Bei trübem Himmel trafen wir am nächsten Morgen im Olympiapark vor dem großen Stadion ein. Einer Begrüßung durch Jens Voigt ausweichend (ich hatte ihn gefragt, ob er bei uns vorbeischaut), fuhren sich die Jungs halbherzig abseits warm. John ging als erster des Teams auf der technisch sehr anspruchsvollen Strecke ind Einzelzeitfahren. Es ging durch eine Schikane nach dem Start, den Olympia-Hügel 300 Meter runter, durch einen U-Turn, 300 Meter wieder rauf zum Ziel, wieder runter, über Kopfsteinpflaster wieder rauf, über 200 Meter Schotter, mehrmals rechts-links, Wende, zurück zum Start, wieder runter und hoch zum Ziel. John kam zufrieden zurück und freute sich über eine neue Bestzeit. Das war sie auch für ihn, eine wirklich gute Zeit! Simon legte nach, Samuel nicht ganz zufrieden und Mattis wieder mit neuer Bestzeit und unter der Schallmauer von 7 Minuten für die 4 Kilometer. Wie wir erst spät erfuhren, war das Silber mit 1 Sekunde Rückstand auf den Ersten und führenden in der Gesamtwertung – wieder Podium, das gibt’s doch nicht! Zudem rückte Mattis auf P3 Gesamt vor, Samuel war 5..

Es folgten die Läufe des Sprint Eliminator. Immer 4 Starter mussten den 300 Meter Zielanstieg hoch sprinten, die ersten 2 kamen weiter. Hier ging es nur um Sprintpunkte. Eigentlich wollte hier nur John voll fahren, doch Mattis meinte, wenn Wettbewerb, dann ernsthaft. Mattis kam ins Finale  und wurde 3. Erneut Podium, Nr 4 für uns!

Nieselregen setzte ein und die U15 wurden nach verdienter Pause in ihr Rundstreckenrennen auf den "Mario Kart Kurs" des Einzelzeitfahrens geschickt. 8 Runden = 32 Kilometer mit ca 140 Hm waren angesagt. Das Team fuhr aufmerksam und setzte Akzente. Jeder war mal vorne oder brachte einen Kameraden wieder in Position. Plötzlich John an der Strecke – Hinterrad platt! Zum Glück schnell gewechselt, doch das Feld war leider weg. Ende der 5. Runde tauchte das Motorrad ohne Feld auf, kurz dahinter… Mattis! Hm.., ob er das gut überlegt hat? Das Feld 20 Sekunden dahinter. Beim Punktesprint bergauf kam es näher, doch danach schauten sich alle an und Mattis hatte wieder wertvolle Meter gewonnen. Wir Betreuer bissen uns auf die Lippen vor Anspannung. Runde 7, gleiche Konstellation, Mattis Gesicht, wie ich es noch nie erlebt habe, er war am Anschlag… und Simon fehlte in der nun klein gewordenen Verfolgergruppe! Er war in einer der nassen Kurven gestürzt, kam aber mit geringem Rückstand hinterher. Freud und Leid nah beieinander. Diese Kurve warf im Übrigen leider so einige Fahrer ganz aus dem Wettbewerb. Zum Glück ohne schlimme Verletzungen. Mattis bekam die Glocke, die Verfolger auf den Fersen. Gespannt erwarteten wir das Motorrad zum letzten mal. Es tauchte auf, ein Fahrer dahinter mit dem Trikot der "Peugeot Young Lions Schleswig-Holstein"! Wie ein Löwe kämpfte Mattis um seinen Sieg auf dem kleinen Jugendradsportolymp, die Hyänen auf seinen Fersen. Und er schaffte es! Sein größter Sieg bisher, Podium 5 für das Team und das 3. an einem Tag für Mattis.

Wie feiert man sowas, wenn man noch ein Rennen am nächsten Tag hat und nun den ersten Platz Gesamt greifbar hat? Nicht übermütig werden. Was wir bisher erreicht hatten war unglaublich und jenseits unserer Träume. Alles war jetzt Zugabe, was jetzt kommen sollte. Die Jungs freuten sich über sehr leckeres Eis im Kietz und wollten früh schlafen gehen.

Tag 3: (Kriterium, Karl-Marx-Allee, warm, Sonne)

Wir konnten etwas länger in den Sonntag schlafen, die Startzeit war human für die Jugendlichen. Die Siegerehrungen vom Vortag wurden mit Kristina Vogel und Robert Förstemann nachgeholt. Auf der sehr breiten Straße hatte das Feld von nun nur noch etwas über 40 Sportlern aus ganz Deutschland und 7 Nationen viel Platz, um sich ständig durch zu mischen. Simon, Samuel und John zeigten sich angriffslustig und aktiv und versuchten den offensichtlich müden Mattis immer wieder nach vorne zu pilotieren. Position halten war schwer, die Teams aus Berlin und Thüringen mit Bahnhintergrund schafften das deutlich besser und sie waren immer dann vorne, wenn es um Punkte oder Sekunden ging. Hier zeigte sich unsere Lernaufgabe deutlich. Spaß und Moral blieben aber und alle beendeten den letzten Lauf im auch hier klein gewordenen Feld, aus dem dann auch der Sieger kam.

Nach dem Tagessieg wurden auch die Trikots, die Gesamtwertung und schließlich die Teamwertung geehrt. Bei der Gesamtwertung durfte Mattis final als 2. noch einmal auf das Podest. In der Teamwertung hoffte ich insgeheim auf Platz 3, spekulierte aber auch auf 2 oder 4. Es wurde das stärkere Berliner Team auf P3 aufgerufen, dann Thüringen auf Silber. Nun sah ich Rumänien auf 1. „…und der erste Platz geht nach... Schleswig-Holstein!“ ertönte die Stimme von Sprecher Robert Bengsch! Unser spontaner Jubel war nicht zu überhören! Wie am ersten Abend, so durfte das gesamte Team noch einmal aufs Treppchen, dieses Mal alle ganz oben und dieses Mal auch mit reichlich Publikum und Applaus vor einer tollen Kulisse mitten in Berlin.

Aus Trainer-Sicht war das das schönste Bild und Ausdruck für das gesamte Wochenende. Eine Rundfahrt gewinnt man im Team, auch wenn „nur“ der 2. Gesamtrang errungen wurde. Mein Ziel, eine Mannschaft zu formen, war erreicht. Sie haben zusammengehalten, Strategien entworfen, sich im Feld gesucht und gefunden, eigene Entscheidungen getroffen und mal was gewagt und dadurch auch gewonnen und gelernt und sehr viel Selbstvertrauen getankt. Aus Kieler Sicht bin ich auch auf John sehr stolz, er hat sehr große Fortschritte im letzten Jahr gemacht. Wenn er die Defekthexe abschütteln kann, wird auch er nicht mehr abgeschüttelt! Schleswig-Holstein muss man mit diesen Jungs auf dem Zettel haben. Mit Hamburg und Bremen haben wir nun auch zwei verlässliche Freundschaftsverbände und bedanken uns für die gute Bereicherung. Arvid P vom Kieler RV durfte das Hamburger U13 Team unterstützen. Ahoi!


Autor: Ian Hoesle
 

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