Bericht Jugendtrainingslager Provence 2022

22.04.2022

Alle vereint auf dem Mt. Ventoux (1910üM)

Gute Stimmung bei den Ausfahrten in der Gruppe

Jeder hilft jedem vor und nach den Touren

Ausgeschrieben vom Kieler Radsport Verein und unterstützt vom Radsportverband Schleswig-Holstein e.V. konnte vom 03. - 16. April 2022 ein Trainingslager für die Radsportjugend Schleswig-Holsteins stattfinden.

Die Idee reifte bereits vor 3 Jahren, im September letzten Jahres nach dem Jugendwochenende im Harz formulierte ich sie dann vorsichtig öffentlich. Zum Jahreswechsel schien Planungssicherheit in Sicht zu sein und so legte ich los. Das Ergebnis liest sich aus meiner Sicht so:

Als sich 9 Jugendliche und 4 Erwachsene am Sonntag Morgen des 3. April in den Autos gen Süden befanden, war die Stimmung von Vorfreude und Ungläubigkeit geprägt. Wir waren tatsächlich unterwegs, das Hoffen und Bangen des letzten halben Jahres verwandelte sich in handfeste Realität! Doch ganz glatt sollte die Reise nach Carpentras, wo wir ein sehr geräumiges, altes Haus beziehen wollten, nicht verlaufen. Das eine Auto begann schon bald hinter Hamburg zum ersten Mal zu streiken. Doch zum Glück endete die Odyssee für alle wohlbehalten mit der Hilfe mehrerer Gelber Engel in einem Mietwagen. Montag Abend bezogen wir also unser provenzalisches Anwesen für die nächsten 11 Tage bei angenehmen 17 Grad und einem freien Blick auf den majestätischen und Respekt einflößenden weißen Riesen, dem Mont Ventoux.

In den folgenden 3 Tagen tasteten wir uns an das Terrain und die Belastungen heran. Von der U15 bis zur U23 war die Altersverteilung, und damit war es ein Experiment, wer wie gut mit den deutlich höheren Intensitäten als sonst zurechtkommt. Auch als Gruppe mussten wir uns in diesem engen Rahmen erst noch finden, da wir uns mit Selbstversorgung noch einiges an Arbeit in Teamwork aufgebürdet hatten. Diese Aufgabe gelang uns schnell und erstaunlich gut. Der Kern der Gemeinschaft bildete der Kieler Radsport Verein mit treuen und engagierten Eltern. Aus Schleswig-Holstein war leider (nach einer Absage) einzig Valerie von der RST Lübeck dabei. Samuel, ebenfalls RST Lübeck kam erfreulicherweise in der 2. Woche privat und tageweise dazu. Am ersten Ruhetag durften wir mit Hanna Geburtstag feiern. Im malerischen Örtchen Venasque wurde ausgiebig Eis gegessen. Der Tag endete mit der Produktion von eigenen Müsliriegeln am großen Küchentisch (Rezept auf Anfrage).

Das Wochenende sollte zeitlich und physisch ein „Bergfest“ werden. Am Samstag ging es in kurzer Abfolge jeden erdenklichen kurzen Anstieg nahe der Dentelles de Montmirail im Intervallstil hoch (für die, die die Beine dazu hatten). Oben in Suzette gab es ein großes „Hallo“ mit der bunten Gruppe aus diversen norddeutschen Vereinen, organisiert vom Radsportverein aus Buchholz (i.d.Nordheide), welche in Vaison-la-Romaine campierten. Sonntag war dann endlich der große Tag, auf den alle hin gefiebert hatten – die Auffahrt auf den Mont Ventoux stand an. Das Porridge beim Frühstück wurde deutlich schweigsamer zu sich genommen. Alle hatten große Ehrfurcht oder Sorge, wie sie mit dem schweren Anstieg von Bédoin aus über 23 Kilometer zurechtkommen würden (die Nordauffahrt war noch nicht ganz eis- und schneefrei). Bei traumhaft blauem Himmel, 20°c und fast Windstille (Tags zuvor hatte der Mistral noch ordentlich bzw. heftig geblasen), starteten wir mit Begleitauto, in welches wir warme Jacken und Handschuhe packten (Dank an Fam. Burger, Lübeck!), zum Fuße des Berges. Mein Appel, sehr ruhig und kontrolliert zu fahren, wirkte auf die Jugend nur für die ersten 10 Minuten, wollten sie doch meine Bestzeit aus 2014 (1:34 Std) knacken. Die U19 Jungs mit Henning und Samuel im Schlepptau erhöhten früh das Tempo und waren bald außer Sichtweite. Maarten folgte, dann Mattis und letztlich Yoris, als die letzten 7 Kilometer anbrachen. 3 Kilometer vor dem Gipfel waren alle vereint und der Wettlauf, wer Bergkönig wird, begann. Das Ergebnis war denkbar knapp, und sie fielen sich vor Freude in die Arme! Während Mattis seinen halb leeren Hinterradschlauch wechselte (Schleicher), waren die Großen schon wieder erholt genug, um Hanna und Valerie einzusammeln und hinauf zu begleiten. Das Gipfelfoto entspricht bei Weitem nicht der überwältigenden Freude, die wir alle hatten. Für mich als Trainer und Organisator ging ein Lebenstraum in Erfüllung! Nach schier endloser Abfahrt erreichten wir Sault, um dort erst einmal durchzuatmen und uns mit einer Pizza zu stärken. Die Jugendlichen ahnten da noch nicht, dass sie eine Stunde später erneut in Jubel ausbrechen würden… In der Abendsonne ging es die wunderschöne Gorges de la Nesque hinunter, scheinbar eine ernstzunehmende Konkurrenz zum Mt. Ventoux.

Verdient und benötigt wurde der Montag als 2. Ruhetag genutzt. Mit Crepes in Carpentras oder alternativ in Avignon. Die kommenden 3 Tage waren gespickt mit Höhenmetern und weiteren landschaftlichen Höhepunkten. Die Abfahrten dienten dazu die entsprechende Fahrtechnik zu üben. Etabliert hatte sich inzwischen auch die Aufteilung in 4er-Gruppen, die in einigem Abstand zueinander unterwegs waren, damit möglichst alle Teilnehmer auch ein Grundlagentraining absolvieren konnten, anstatt überwiegend nur im großen Windschatten mitzurollen. Nach den Ausfahrten gab es kurze Reflektionen über Fahrtechnik, Gruppendynamik und anderes Lehrreiches.

Über 8 Ausfahrten und 2 Ruhetagen wurden von mir auf Strava 748 Kilometer mit 11873 HM dokumentiert. Bis auf Hanna, Henning, Joris und mir ließen es sich die anderen nicht nehmen, am letzten Tag noch einmal auf den Mont Ventoux zu fahren – meine Bestzeit blieb mit 4 Minuten zu meinen Gunsten weiterhin bestehen. Ganz klar also, dass alle im nächsten Jahr eine neue Chance wollen, auch wenn es dann wieder viel Gemüse zu schneiden und zu essen gibt und Vollkorn und wenig Fleisch und wenig Zucker und man aufräumen und putzen muss…. Die Meinungen am Abschlussabend gingen zwar beim Risotto mit eingekochtem Parmesan weit auseinander, bei der Begeisterung über die gesamte Fahrt waren sich aber alle einig: 12 Tage, die lebenslang in bester Erinnerung bleiben werden!

Ich bedanke mich bei allen, die uns das ermöglicht haben!

Ein extra Dank an das Passader Backhaus für die Brotspende, die uns über die erste Woche gebracht hat und den MYBIOSHOP Carpentras mit durchgehend 5% Rabatt! Merci beaucoup!

Ian Hoesle

Vizepräsident Nachwuchs


Autor: Ian Hoesle
 

Hinweis zur Nutzung von Cookies

Wir verwenden Cookies, um Inhalte und Anzeigen zu personalisieren, Funktionen für soziale Medien anbieten zu können und die Zugriffe auf unsere Website zu analysieren. Außerdem geben wir Informationen zu Ihrer Nutzung unserer Website an unsere Partner für soziale Medien, Werbung und Analysen weiter. Weitere Informationen