Local Heroes: Schleswig-Holsteins erfolgreiche Radsportler

20.04.2016

Adrian Rips

Tag der Meister

Local Heroes: Schleswig-Holsteins erfolgreiche Radsportler Seit einigen Jahren wächst in Deutschland eine junge Generation erfolgreicher Radsportler heran. Schleswig-Holstein kann keine (inter)nationalen Sieger präsentieren. Dennoch sind heimische Rennfahrer im Amateurrennsport erfolgreich. Damit das auch zukünftig so bleibt, wird ein neues Konzept für die Jugend- und Nachwuchsarbeit im Verband erstellt. Gleichzeitig möchten wir unsere aktuellen "Local Heroes" in einer Intervieserie vorstellen und dabei mit Adrian Rips beginnen. Wir sind zuversichtlich, dass Ihr dabei Interessantes erfahren werdet und wünschen Euch beim Lesen viel Vergnügen!

Adrian Rips vom RSC Kattenberg & elektroland24 Cycling Team ist aktueller Radsportler des Jahres in S-H und wird im kommenden Verbandsjugendtraining Link, das für alle Jugendfahrer unser Vereine offen ist, das Training begleiten. Wir sind neugierig, mehr von ihm zu erfahren und fragen für ein Interview an. Adrian sagt erfreut zu, so treffen wir uns in der Pizzeria "Da Luigi" in HH-Harburg.

RSV-SH: Hallo Adrian, freut mich Dich zu sehen. Bin ganz aufgeregt, ist mein erstes Interview, das ich führe. Wie sieht es bei Dir aus?

Adrian: Danke, ich freu mich auch. Ist auch meine Premiere. Schön dass Ihr mit "Local Heroes" die Aufmerksamkeit auf den Nachwuchs von heute und morgen richten wollt.

RSV-SH: Seit einem Jahrzehnt bist Du im Rennsport aktiv. Da geht so mancher schon in die Sportrente. Du bist in 2014 in die A-Klasse, der höchsten Klasse im Amateurrennsport aufgestiegen und feierst auch dort trotz starker Konkurrenz großartige Erfolge (2016 Rennen KT/A/B Herford 2., Ascheffel 10., Nortorf 12. Platz). Aufhören, wenn es am schönsten ist - oder kommt jetzt der nächste große Schritt?

Adrian: Weder noch. Natürlich träumt man mal davon, Profi zu werden. Aber nein, das ist nicht mein Ziel. Ich will so lange wie möglich bei den Amateuren Rennen auf hohem Niveau fahren. Um dafür fit zu sein, trainiere ich 15 Stunden und mehr pro Woche. Doch ich brauche auch Zeit für mein Studium sowie anschließend für den Beruf.

RSV-SH: Das Studium hat Dich also nach HH-Harburg geführt? Die technische Universität befindet sich hier in der Nähe. Rennrad und Technik - das passt doch zusammen.

Adrian: Richtig, ich studiere Maschinenbau an der Technischen Universität. Jedoch: Ich bin erst im zweiten Semester/Grundstudium, somit ist es noch zu früh, mich zu spezialisieren oder eine berufliche Perspektive vorhersagen zu können. Wobei: Carbonfasertechnik wäre schon toll!

RSV-SH: Apropos Carbon. Wenn man die dänischen Teams in Ascheffel und Nortorf sieht, stellt man fest, dass sie top ausgestattet sind. Aber nicht nur das: sie sind auch stark genug, um in Mannschaftsstärke ein Rennen von vorne zu kontrollieren. Wo liegen die Unterschiede zu Elektroland24 Cycling Team?

Adrian: Die Dänen, die in Ascheffel/Nortorf die Rennen bestimmen, sind KT-Teams. Das sind Profis, also eine andere Liga. Wir machen den Rennsport neben Schule/Beruf und bekommen Unterstützung beim Material, Support und Logistik. Wobei: so viel schlechter sind wir auch nicht...

RSV-SH: Genau. Ihr fahrt ja auch tolle Ergebnisse ein. Seid Ihr Einzelkämpfer oder fährt das Team mit taktischer Vorgabe des Sportlichen Leiters, die im Rennverlauf ggfls. noch geändert wird? Und: gibt es einen Kapitän?

Adrian: Wir besprechen die Renntaktik vor dem Rennen und gemeinsam als Team. Jeder bringt seine Ideen ein. Es ist zumeist eine variable Taktik mit mehreren Optionen. Jeder Teamfahrer hat individuelle Stärken und Rollen, die situationsbedingt zum Einsatz kommen können. Und: Je nach Wettkampf oder Tagesform wird mal für den einen und mal für den anderen gefahren.

RSV-SH: Wenn man auf www.elektroland24-cycling-team.de blättert und die Erfolge des Teams (4er MZF Rennen HH City Nord, Rad am Ring 24) betrachtet, dann fällt der Teamgeist deutlich auf. Wie wichtig sind Dir Einzel- bzw. Teamerfolge?

Adrian: Die Teamwettbewerbe sind für den Teamgeist extrem wichtig. Zudem werden wir dort auch tatsächlich von außen als Team wahrgenommen. Nur weil man im Rennen nicht nebeneinander fahren kann, wird unterschätzt, dass Rennsport dennoch ein Teamsport ist. Insofern ist jeder Erfolg ein Teamerfolg.

RSV-SH: Und wie empfindest Du in diesem Zusammenhang Deine Nominierung für 2011 sowie die Wahl für 2015 zum Radsportler des Jahres?

Adrian: 2011/2012 war ich für ein Schuljahr in Utah in den USA. Insofern war ich über die Nominierung überrascht und stolz. Die Wahl zum Radsportler des Jahres 2015 ist natürlich eine besondere Auszeichnung und Anerkennung. Man trainiert das ganze Jahr hart für punktuelle Momente des Glücks, für den Wettkampf, für die Früchte, die man erntet. Doch bei der Wahl zum Radsportler kommt es ja nicht nur auf den Erfolg an. Insofern freue ich mich sehr darüber, auch "auf andere Art und Weise" anzukommen.

RSV-SH: Utah ist ein gutes Stichwort. Wie war das Auslandsjahr in den USA? Und auch dort bist Du erfolgreich Rennen gefahren, munkelt man...

Adrian: Das Auslandsjahr war sehr wichtig für meine persönliche Entwicklung. Auch wenn ich dadurch meine Schulzeit verlängert habe: Ich würde es immer wieder machen. In Utah bin in einer radsportbegeisterten Familie aufgenommen worden, die mit mir zu Rennen gefahren ist. Die ersten Rennen fuhr ich noch auf einem zu kleinen Leihrad. Als ich mir günstig einen Rahmen kaufen konnte, habe ich diesen mit Ersatzteilen aus dem Schuppen und mit Geld- und Sachpreisen aus Rennen aufgebaut. Mit diesem 11-Kilo-Crosser mit 3x9fach-Schaltung habe ich sodann die Crossmeisterschaften gewonnen. Es muss also nicht immer das beste Material sein. Im Winter fuhren wir dann immer zum Skifahren in die nahen Berge. Das war auch super. Aber hier geht es leider nicht...

RSV-SH: Gott sei Dank würde ich mal sagen. So bist Du beim Radsport geblieben. Zurück zu den Ursprüngen. Dein Vater Andreas ist ebenfalls ein sehr guter Rennfahrer. Wer hat eigentlich wen aufs Rad gebracht? Und wie sahen Eure ersten gemeinsamen Touren aus?

Adrian: Mein Vater hat angefangen, jedoch: Es ist bei ihm erst mehr geworden, als er meinen Bruder Alex und mich infiziert hat. Und unsere ersten gemeinsamen Touren waren echt lustig: Wir hatten ein Rennrad und ein Tandem: Auf der ersten Hälfte der Tour durfte einer Rennrad fahren, der andere Tandem mit unserem Vater. Und auf der zweiten Hälfte umgekehrt: der eine Tandem, der andere Rennrad.

RSV-SH: Euer Vater hat über viele Jahre die Jugendabteilung in Kattenberg trainiert. Später hast Du im SH-Kader bei den Landestrainern Frank Kurbel und Dennis Sommerfeld gelernt. Nach einer Auszeit will der RSVSH nun die Jugend- und Nachwuchsarbeit wieder intensivieren und fördern. So findet Ende April die nächste Verbandsjugendtraining mit Jürgen Mohr statt. Nach dem Kieler Gregor Hoops, der für das Rostocker Bike-Market-Team fährt, willst auch Du im gemeinsamen Training dein Wissen an den Nachwuchs weiterzugeben. Warum? Du züchtest Dir doch damit eigene Konkurrenz heran?

Adrian: Ganz einfach: damals habe ich von den "Großen" profitiert. Ohne Frank und Dennis wäre ich nicht da, wo ich jetzt bin. Nun will ich davon etwas weitergeben. Außerdem: Konkurrenz belebt das Geschäft!

RSV-SH: Adrian, ich hätte noch viele Fragen, aber ich glaube, das ist ein schönes Schlusswort. Vielen Dank für das tolle Gespräch!

Adrian: Auch Dankeschön an Euch für Euren Einsatz. Bis demnächst!


Autor: Lars Badia
 

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